Dieser Traum ist so alt wie der Computerbildschirm, der Traum, Computertechnik könne das Medium Buch ersetzen. Alle
paar Jahre wird ein neues Gerät propagiert, das “wie ein Buch lesbar” sein soll. Allein – die Geräte finden keine Leser. Man kuschelt sich nicht auf ein Sofa, um auf einem Laptop oder einem Handheld einen Roman zu lesen.
Was an Texten und Buchinhalten im Internet gesammelt ist, ist darum auch kaum zum Schmökern gedacht, es dient dem Durchsuchen, Nachschlagen, auch wissenschaftlichen Verarbeiten. Zahlreiche Universitäten und freiwillige Arbeitsgruppen wie Gutenberg.org haben inzwischen zigtausende an Textquellen vom literarischen Klassiker, Expeditionsbericht bis hin zu alten medizinischen Arbeiten ins Netz gestellt. Allen gemeinsam ist, dass sie in der Regel vor 1900 erschienen, also copyrightfrei sind. Ein einheitliches Internet-Publikationsformat gibt es allerdings nicht, manche Texte sind PDF-Files, andere HTML geschrieben oder auch Scans von alten Buchseiten. Einen guten Überblick über den Inhalt dieser Internet-Bucharchive gibt Digitalbookindex (1), es enthält auch die Titel des Gutenberg-Archivs.
Google hat sich darüberhinaus vorgenommen, den gesamten Buchbestand einiger großer amerikanischer Universitätsbibiliotheken zu scannen und im Internet einsehbar zu machen. Das Projekt schreitet voran, aber nicht alle Bücher sind aufgrund ihres Copyright-Status als Bücher mit Vollansicht vollständig zu durchblättern und durchsuchen (2). Es lohnt sich also schon, bevor man per Fernleihe ein älteres Buch anfordert, zunächst in den genannten Internet-Archiven nachzuschlagen, ob dort der Buchtext vorliegt.
Aktuelle, zeitgenössische Werke findet man im Internet jedoch selten, allein Handbücher, etwa zur Computertechnik und Programmierung, oder Gebrauchsanweisungen zu technischen Geräten werden oft auch als PDF zum kostenlosen Download und Ausdruck angeboten. Sachbücher wie die gemeinsam produzierten Wikibooks (3) haben noch experimentellen Charakter, sind aber teilweise durchaus nutz- und lesbar.
Mehr als drei, vier Seiten auf dem Bildschirm zu lesen, ist für die Augen nicht erträglich. Will man also einen längeren Text oder den gesamten Buchtext durchstudieren, so ist es gut ihn auszudrucken. Um Papier zu sparen, ist der einfachste Weg, den Druck auf Querformat und Mehrseitendruck (2 auf 1) einzustellen, ein Probedruck zeigt die Lesbarkeit. Man kann dann die halbe Seitenanzahl drucken, das Papier umdrehen und auf der Rückseite die zweite Hälfte drucken. Besser aber ist es, das Ganze so auszudrucken, dass man es auch wie ein Buch heften und blättern kann (4). Lädt man einen Internet-Text in OpenOffice, so kann man ihn problemlos als Broschüre ausdrucken. Hefte bis 32 Seiten (das sind 8 DINA4-Seiten) sind noch handlich. Ist ein Text länger, so sollte man ihn in mehrere Hefte von je 32 Seiten aufteilen.
Alle aktuellen auf dem Buchmarkt lieferbaren Bücher sind nicht nur in Buchhandlungen, sondern auch im Internet bei Unternehmen wie Amazon oder Libri.de erhältlich. Dabei bietet Amazon, das ist außergewöhnlich, nicht nur druckfrische, sondern zugleich auch gebrauchte Ausgaben an. Wider Erwarten hat mit dem Internet gerade der Handel mit preisreduzierten, gebrauchten oder antiquarischen Büchern enorm an Übersicht und Umfang gewonnen. Für Bücherliebhaber mit wenig Geld ist dies ein Gewinn. In den Datenbanken der Antiquariate zvab.de oder von Abebooks ist beinahe jedes Buch in gutem Zustand als Secondhand zu finden. Mit der Spezialsuchmaschine findmybook (5) sind diese, aber auch andere wichtige Internetbuchhandlungen und – antiquariate mit einer Anfrage zu durchsuchen und nach Preisen, inklusive Versandkosten, zu sortieren.
“Ob ein Buch wirklich gut ist und es sich zu lesen lohnt, zeigt sich erst nach mindestens einem Jahr.” Wenn man sich von dieser Erfahrung leiten und nicht vom Marketing der Bestsellerlisten verführen läßt, kann man auch mit geringen finanziellen Mitteln an der literarischen und intellektuellen Auseinandersetzung teilnehmen: indem man ein zeitgenössisches Buch entweder in der Stadtbibliothek ausleiht, dann zurückgibt oder es gebraucht kauft, um es bei Gefallen ins Regal zu stellen. Oder es eben, weil man das Buch kein zweites Mal lesen wird, wiederum weiterverkauft. Dies ist bei Amazon ohne großen Aufwand zu organisieren (6), und anders als bei einer Ebay-Auktion zu einem Verkaufspreis möglich, den man selbst festlegt.
3 http://de.wikibooks.org/wiki/Kategorie:Fertiges_Buch
4 www.ooowiki.de/B%C3%BCchleinDrucken
6 http://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=3366381